o.T. Magazin 2011

 

Wie einem ein Objektiv den Kopf verdreht

 

Von Simon Waßermann

 

Wer wochenends am Kaiserkai den Fotografen Capillaro in seinem Atelier besucht, das er seit 2008 als erster Kulturmieter der Hafencity eingerichtet hat, sieht sich von großformatigen Stadt-, Brücken- und Schiffsansichten in extremen Quer- und Hochformaten umgeben. Wer die Fotos vorschnell als übliche Panorama- oder Fisheye-Fotografie abstempelt, gerät schnell in Erklärungsnot. Wie ist eine Blickwendung den Schiffsmast der Mir hinauf und hinunter, wie ist eine sich drehende über 360°-Verschwenkung auf einer Brücke zu meistern? Was eine forcierte Kameratechnik wiedergeben kann, vermag ein lebendes Auge nicht unmittelbar zu sehen. Zudem erlebt der Betrachter die Sensation, den visuellen Salto, primär leiblich, bevor er auch denken könnte, was er sieht. Auch eine klare Hamburger Stadtansicht kann trügen, indem sie real und spontan erscheint, jedoch vier Jahreszeiten, anderthalb Jahre Projektzeit und 550 Arbeitsstunden in sich vereint.

 

Capillaro hat dafür zum einen eine Technologie ausgetüftelt, die er geheim hält. Zum andern werden die analog generierten Bilder mit außergewöhnlichem Aufwand aufgenommen. Turmspitzen, Masten von Großseglern oder Außenwände von Wolkenkratzern erklettert der Fotograf mit Bergsteigergurten und 30 kg schwerem Gerät, die Resultate werden in Monate langer Arbeit digital nachgeschliffen und schließlich im Diasec-Verfahren abgezogen.

 

Autodidakt Capillaro, der im bürgerlichen Leben Arzt ist, will den Betrachter mit seinen ungewöhnlichen Bildern dem Boden entreißen, ihn in einen Rausch futuristischer Raum-Zeit-Verwerfungen versetzen, in dem sich Bekanntes als unwahrscheinlich, Gemeines als grandios zeigt.

 

o.T. Magazin: Gesamte Ausgabe 09/2011 als PDF

o.T. Magazin: http://www.ot-nord.net


FAZ 2005

 

Die geformte Stadt -

 

Capillaros Panoramafotos

 

Von Thomas Speckmann

 

Schiller war studierter Mediziner. Sein Debüt "Die Räuber" schuf er neben dem Studium in Nachtarbeit. Auf Goethes Empfehlung hin hatte er sich später ohne spezifische Ausbildung auf dem Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Jena zu bewähren. In seiner Antrittsvorlesung im Mai 1789 setzte er sich denn auch kritisch mit den Brotgelehrten auseinander, denen durch die Beengung auf das fachlich Wesentliche das wahre Vergnügen an der Wissenschaft verborgen bliebe. Schiller zufolge sind es vielfach die Seiteneinsteiger, die, unbelastet vom lähmenden Detailwissen, zu neuen Ufern aufbrechen können.

Ein Seiteneinsteiger im Sinne Schillers ist Capillaro. Wie der Dichter ist auch er Mediziner. Doch seine Leidenschaft ist nicht das Schreiben, sondern das Fotografieren. Neben seinem Studium hat er sich selbst den Umgang mit Kamera und elektronischer Bildverarbeitung beigebracht. Oft streifte er nach einem Arbeitstag als Arzt bis tief in die Nacht durch Hamburg, um an besonderes Bildmaterial zu gelangen, aus dem er seine Kompositionen schuf. Die Hansestadt ist für den 1972 in Baden-Baden Geborenen zur zweiten Heimat geworden. Hier hat er einen Teil seiner Kindheit verbracht; hier studierte er auch - neben Studienaufenthalten in Nizza, Paris, Marseille und Kamerun; hier schloß er seine Medizinausbildung mit Staatsexamen und Promotion ab; hier lebt er und betreibt die fotografische Tätigkeit unter dem Pseudonym "Capillaro".

Das Ergebnis von Capillaros Leidenschaft ist derzeit in der Hamburger Poster Galerie zu sehen. Aufnahmen aus der Hansestadt, aus Paris und New York vereinen sich unter dem Motto "Wie Capillaro diese Städte sieht". Einen ersten Eindruck von der besonderen Präsentation erlebten die Besucher bei einer Vernissage Anfang April: Die großen Glastüren und die anschließenden Glasflächen in der Passage zur Galerie im "Kaufmannshaus" waren innen und außen mit jeweils vier Bildern abgedeckt, wobei es sich aber nur um zwei Motive handelte, die in Normalsicht und im Spiegelbild dargestellt waren. (...)

 

Artikel FAZ-Archiv als PDF: Capillaro - Die geformte Stadt

Artikel FAZ-Online: Capillaro - Die geformte Stadt


 

Letter of recommendation Museum City of New York

 

 


Ausstellung 2007

 

Ausstellung im Stilwerk // 16.11.2007

 

„Capillaro Galerie“

 

Text zur Eröffnung der Ausstellung von Ulrich Rüter (Stiftung F.C. Gundlach)


Mit dieser Ausstellung zeigt der Hamburger Fotograf Capillaro schon zum zweiten Mal im stilwerk seine ungewöhnlichen Stadtansichten. Waren im letzten Jahr auch die Metropolen Paris und New York Ideengeber, so konzentriert sich die diesjährige Ausstellung ganz auf die Hansestadt Hamburg. Und auch die Form der Präsentation hat sich verändert: diesmal zeigt Capillaro seine Arbeiten in großformatigen Abzügen im Dia-sec-Verfahren, das den Bildern eine zusätzliche Tiefe, Brillanz und Strahlkraft verleiht.
Capillaro arbeitet nicht spontan, jedes Motiv braucht Vorbereitung und eine lange Bedenkzeit. Ist das Motiv einmal gefunden, benötigt es auch eine längere Belichtungszeit. So manchem Hamburger ist der Fotograf schon einmal aufgefallen, obwohl er doch bewusst unauffällig in der Stadt unterwegs ist, immer auf der Suche nach neuen lohnenden Motiven, die mit speziellem Gerät an spektakulären Orten der Stadt, vornehmlich am Hafen, eingekreist werden. Die einzelnen Bilder entstehen nach eingängiger Recherche zunächst einmal im Kopf des Fotografen und manchmal braucht es einen ganzen Tag bis das geeignete Motiv gefunden ist. Dafür braucht der Fotograf Zeit. Und die ist eigentlich knapp, denn Capillaro ist in seinem Hauptberuf Mediziner und arbeitet als Assistenzarzt in der Hamburger Endo-Klinik. Nun ist die Fotografie längst mehr für ihn geworden als nur ein Hobby. Capillaro wurde 1972 in Baden-Baden geboren, seit vielen Jahren lebt er in Hamburg. In seiner Hamburger Studienzeit entwickelte sich sein Interesse an der Fotografie zur Leidenschaft... .

 

Ulrich Rüter ( Stiftung F.C. Gundlach) Volltext als PDF

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Capillaro, der 360-Grad-Fotograf

 

Den Hafen, das Rathaus, die "Cap San Diego" -

der Künstler zeigt die Hansestadt aus neuen, ungewöhnlichen Perspektiven.

 

Wo oben oder unten, links oder rechts ist, lässt sich auf den ersten Blick schwer sagen: der Hafen zum Beispiel, offenbar von einem Kran aus fotografiert, extrem verzerrt. Oder: das Rathaus, von schräg unten, auf einer Treppe aufgenommen. Der Blick geht steil nach oben. Horizonte biegen sich in Megadimensionen. Das Chilehaus, die "Cap San Diego", Rathaus und Hafen - es ist Hamburg mal anders, so, wie man die Stadt wohl noch nie gesehen hat.

Am morgigen Donnerstag, 16. November, um 19 Uhr, wird die außergewöhnliche Ausstellung im Stilwerk, Große Elbstraße 68, fünfter Stock, eröffnet. Bis zum 31. Januar 2007 sind die Werke zu sehen, in der Galerie von Capillaro, wie sich der Fotokünstler nennt. Zehn Prozent von jedem verkauften Werk will er dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef spenden - für das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef und der Nelson-Mandela-Stiftung, das der Hamburger Reeder Peter Krämer mitschuf.

Fotos sind die Passion des 33-jährigen Capillaro, der im Hauptberuf Mediziner ist: Assistenzarzt in der Endoklinik. Seit Jahren zieht er in seiner Freizeit durch Städte, zeigt Orte aus ungewöhnlichen Winkeln. Jahre dauern seine Projekte, die er privat finanziert. "Nach und nach, unter anderem durch die Bilder". Er arbeitet mit spezieller Kameratechnik, die Perspektiven überzeichnet, sprengt, verschwimmen lässt. Mit einer einzigen Aufnahme entstehen verschiedene Bilder, die dem Betrachter stets neue Sichtweisen ermöglichen. Je nachdem, wie er das Bild hält. "Verticalografie", nennt er einen Teil seiner Kunst. Seine Methode: eine angepasste Blende, eine lange Belichtungszeit und die ständige Rotation der Kamera mit Blickwinkeln mit mehr als 300 Grad. Die analogen Bilder werden digitalisiert, dann farblich gestaltet.

Capillaro entdeckte sein Hobby Fotografie in seiner Jugend. Nach dem ersten Medizin-Staatsexamen zog er durch die Welt. Nizza, Paris, Marseille. Auch in Kamerun war der Mediziner. Er arbeitete in Krankenhäusern, machte Praktika - und überall Fotos. "Der Reiz ist, die Orte in neuen Perspektiven festzuhalten, neu zu entdecken, wie man sie noch nie gesehen hat." In New York lebte der Arzt einige Wochen. Und fotografierte. "Manchmal war ich den ganzen Tag unterwegs und hatte am Ende nur zwei Motive."

Auch in Hamburg zieht er oft stundenlang durch die Straßen. Da legt er sich mal auf den Boden, fotografiert Objekte in einem Autospiegel. "Das Foto komponiere ich zuerst im Kopf", sagt der Künstler, der viel im Hafen unterwegs ist. Einmal gab es dort Probleme mit Sicherheitskräften. Auf einem Firmengelände, wo Capillaro ein Superfoto machen wollte. Er lächelt, sagt: "Am nächsten Tag rief der Chef bei mir an und lud mich ein, mit einem Helikopter über das Gelände zu fliegen." Hunderte von Bildern hat er bereits verkauft.

Die Endoklinik, seine Chefs, unterstützen ihn sehr bei seinem Hobby, freut sich Capillaro. "Medizin fasziniert mich auch", sagt er. Wenn er mit der Kamera unterwegs sei, "dann kann ich abtauchen, in die Ruhe." Die Armut, die Zustände in Kamerun haben dem Mediziner eine besondere Einsicht gebracht: "Die beste Prophylaxe gegen Krankheiten, Seuchen wie Aids, ist Bildung" - auch deswegen will er einen Teil des Verkaufserlöses Unicef zukommen lassen.

 

Abendbaltt Online: Capillaro der 360 Grad Fotograf


2005

 

Stadt-Perspektiven

 

Das Stilwerk zeigt 40 Fotos von Capillaro aus Hamburg, Paris und New York

 

Capillaro, so nennt sich ein junger Hamburger Mediziner, der die Angewohnheit hat, nach des Tages Arbeit und auch in seiner sonstigen Freizeit durch die Straßen der Stadt zu schlendern. Während er so bei Helligkeit wie in der Dunkelheit der Nacht an Häusern, Brücken, Fleeten, U-Bahnhöfen vorbei zu Elbufer, Speicherstadt und Hafenanlagen gelangt, läßt er seinen Blick über zahllose Einzelheiten schweifen, goutiert die großen Ansichten, die das Stadtbild ihm bietet und hält gelegentlich inne. Seine Aufmerksamkeit wird dabei von bestimmten Absichten gelenkt.

Er sucht nach kompositorisch vorgeformten Konstellationen der Wirklichkeit, die ihm zum Fotografieren interessant genug erscheinen. Will sagen, sie müssen sich durch Spezialobjekte zu raumstürzenden Bildern verwandeln lassen. Auch die Sehenswürdigkeiten von anderen Metropolen hat Capillaro beim Aufnehmen parabolisch verfremdet und mit einer Spezialkamera in völlig neue Perspektiven gerückt.

Im Stilwerk sind 40 seiner großformatigen, auf Leinwand oder Glas gezogenen Fotografien ausgestellt. Ein Teil des Verkaufserlöses seiner Fotokunstwerke spendet Capillaro dem Hilfswerk Terre des Hommes zur Förderung der Ausbildung armer Kinder.

Capillaro Fotokunst Hamburg, Paris, New York, bis 7.1., Mo-Fr 13.00-20.00, Sa 10.00-20.00, So 10.00-18.00 Stilwerk (Bus 112, 383), Große Elbstr. 68, Eintritt freie.p

 

Abendblatt Online: Stadtperspektiven